Eine Frau in einer Männerdomäne

Eine Frau in einer Männerdomäne

Die IT-Technikerin Natali Sivan

Frauen in Berufen der sogenannten „Männerdomäne“ haben es nicht immer einfach. Wir haben eine dieser Powerfrauen interviewt. Natali Sivan kam als erwachsene Frau mit Kindern und ohne Deutschkenntnisse nach Österreich und schlug für eine dreifache Mutter einen eher unkonventionellen Berufsweg ein. Und bereut es keine einzige Sekunde.

Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Als berufstätige Mutter ist Zeit sicher Mangelware.

Das ist alles eine Sache der Organisation. Ich habe nach Abschluss meiner Ausbildung zwei Teilzeitjobs angenommen. Im August habe ich mich dann für eine der Firmen entschieden und arbeite hier in Teilzeit. Da bleibt noch Spielraum für die Familie.

Ich sage immer „ Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“

Wie hast du deinen Anfang in Wien empfunden?

Es war natürlich nicht einfach. Wir kamen nach Österreich und mussten bei Null anfangen und das alles ohne Sprachkenntnisse. Wir eröffneten ein Geschäft und ich hatte auch alle Hände voll mit meinen Kindern zu tun. Später entschied ich, dass ich doch gerne eine berufliche Ausbildung absolvieren möchte. Ausreichende Deutschkenntnisse haben mir aber noch gefehlt. Deswegen besuchte ich einen Deutschkurs im JBBZ und begann sofort danach meine Berufsausbildung.

Warum hast du dich für einen Beruf entschieden, der in der Gesellschaft oft als „Männerberuf“ angesehen wird?

Von selber hätte ich die Ausbildung nie gewählt. Mein ehemaliger Trainer animierte mich dazu, den IT-Bereich zu wählen. Ich bin dem JBBZ sehr dankbar für die Unterstützung während meiner Ausbildung.

Frauen sind von Natur aus sehr belastbar, Profis im Multitasking und Organisationstalente, da wir dies tagtäglich zuhause anwenden. Mehrere Personen wollen viele Dinge gleichzeitig. Genau diese Qualitäten schätzt mein Chef an mir besonders.

Welche Fähigkeiten braucht es für die Ausbildung zum/zur IT-Techniker/in?

Die IT-Technik ändert sich laufend und ich muss mich tagtäglich weiterbilden und offen für Neues sein. Man sollte die Technik gernhaben und auch keine Angst davor haben, sich die Hände schmutzig zu machen. Als Frau stehe ich dieser Branche mit mehr Skepsis gegenüber. Ich war aber darauf vorbereitet, mich doppelt beweisen zu müssen, um für meine Fähigkeiten respektiert zu werden.

Fiel es dir schwer, einen Job zu finden?

MitbewerberInnen mit perfekten Sprachkenntnissen haben es natürlich einfacher. Ich hatte die Chance, mein Fachwissen und Können unter Beweis zu stellen. So war auch das kein Hindernis mehr.

Was sind deine Aufgaben?

Ich arbeite in der Zentrale eines Großunternehmens mit 170 Standorten in Österreich. Ich administriere Datenbanken, stelle notwendige Berechtigungsstufen ein und verwalte mehrere Softwareprogramme.

Wie würdest du das JBBZ in einem Satz beschreiben?

Ich sehe das JBBZ als einen Ort, an dem JEDE/R eine Chance bekommt, sein volles Potenzial auszuschöpfen … Vorausgesetzt er/sie WILL es auch!